Hallo,

Ende 2008 haben wir uns ein Häuschen gekauft. Unser Wohnzimmer hat einen offenen Kamin. Was gibt es schöneres, als Abends nackt auf einem Bärenfell vor einem offenen Kamin zu liegen? Naja, ganz so einfach ist es nun nicht. Denn so ein offener Kamin hat schon einige Nachteile:

Das Feuer ist nicht kontrollierbar.
Der Brennstoff ist schnell weggebrannt.
Der Wirkungsgrad ist gering.
Ein offener Kamin darf nicht regelmäßig betrieben werden.
Braunkohlebriketts sind nicht geeignet.
Die Grundbeheizung des Raums erfolgt über eine Zentralheizung. Das offene Feuer reißt Unmengen vorgeheizter Raumluft durch den Kamin nach außen. Dadurch strömt kalte Außenluft nach, die von der Zentralheizung zusätzlich aufgewärmt werden muß.
Durch Undichtigkeiten der Kaminklappe strömt auch warme Luft nach außen, wenn der Kanin nicht beheizt wird.
Im Sommer kehrt sich der Kamineffekt um. Es strömt Luft durch den Kamin nach innen - und es kommt zu Geruchsbelästigungen.

Nachdem wir im ersten Winter mit diesen Unannehmlichkeiten leben mussten, suchten wir eine Lösung. Grundsätzlich gibt es 3 Lösungen:
Ofen:
Der offene Kamin wird zugemauert. Neben dem offenen Kamin wird ein Dauerbrandofen aufgestellt. Vorteil dieser Lösung ist, daß man sich einen fertigen Ofen aussuchen kann. Fertige Öfen sind ausgereift und haben einen hohen Wirkungsgrad. Billig sind gute Öfen allerdings auch nicht, und sie bringen neue Probleme. So muß der Aufstellort für einen Ofen geeignet sein. Zum Beispiel müssen ausreiched hitzebeständige Wände vorhanden sein. Und dann muß das Ofenrohr in den Kamin gezogen werden können. In der Bildergalerie zu unserem Kamin ist der offene Kamin zu sehen. Der einzig mögliche Aufstellort für einen Ofen wäre links vom bisherigen offenen Kamin. Und dann müsste das Ofenrohr unter dem Holzbalken entlang gezogen werden. Deshalb haben wir diese Lösung verworfen.
Kamineinsatz:
Was ist ein Kaminsatz? Es handelt sich um einen meist rechteckigen Brennraum mit einem Fenster vorn. Unten drunter sind Beine, auf denen der Kamineinsatz steht. Über dem Kamineinsatz befindet sich ein Dom, der oben den Anschluß für ein Abgasrohr bietet. Normalerweise stellt man einen Kamineinsatz auf den Boden und mauert quasi einen Ofen drum herum. Vorteil ist, daß es diese Kamineinsätze fertig zu kaufen gibt. Es gibt sogar wasserführende Kamineinsätze, die auch das Wasser für die Zentralheizung erwärmen. Leider ist das auch für uns keine Lösung, denn man müsste hierzu den vorhandenen Schornstein abreißen - womöglich über alle Etagen.
Kaminkassette:
Eine Kaminkassette ist meist Quaderförmig. Sie wird einfach in die vorhandene Öffnung des offenen Kamins eingeschoben. Damit diese auch zentimetergenau passt, wird diese genau auf Maß gefertigt. Es wird normalerweise kein Rohr oder sonstiges angeschlossen. Das schien uns die einfachste Lösung zu sein. Deshalb haben wir uns für diese entschieden.

Nun gibt es viele Anbieter von Kaminkassetten. Bei der Entscheidung, welche Kassette die richtige ist, treten viele Fragen auf. Natürlich sagt jeder Anbieter, seine Kassette sei die Beste. Hier muß man nun viel recherchieren. Vielleicht können diese Seiten denjenigen helfen, die vor einer Entscheidung stehen, welche Kassette sie nehmen sollen.

Selbsteinbau oder Einbauservice?
In der Regel ist der Einbau einfach und selbst möglich. Wer aber jetzt denkt, ein paar Euro sparen zu können, in dem man die Kassette selbst einbaut, sollte ein paar Sachen beachten:
Wer übernimmt Verantwortung und Kosten, wenn die Kassette nicht passt?
Ist der Selbsteinbau am Aufstellort (Land, Bundesland) überhaupt zulässig?
Es handelt sich um eine Änderung der Feuerstätte. Wer übernimmt die Formalitäten mit dem Bezirksschonsteinfegermeister? Was sagt dieser zum Selbsteinbau?
Wer übernimmt die Kosten im Schadensfall, wenn der Einbau nicht durch ein Fachunternehmen erfolgte?
Unser Rat daher: auf jeden Fall einbauen lassen, auch wenn es einfach ist!!!

Rustikal oder Hochwertig:
Es werden oft diese 2 Varianten angeboten. Diese unterscheiden sich in der Regel wie folgt:
Die hochwertige Kassette wird in 4mm Stahl gefertigt, die Rustikale nur in 3mm Stahl.
Weil der 3mm Stahl nicht ausreichend wärmebeständig ist, gibt es die rustikale Variante ausschließlich mit Vermiculitauskleidung, nicht mit Gußauskleidung. Hochwertige Kassetten gibt es - herstellerabhängig - in beiden Varianten.
Hochwertige Kassetten haben standardmäßig innenliegende Scharniere und eine schmale Rahmenkonstruktion. Bei rustikalen Kassetten liegen die Scharniere außen, und die Rahmenkonstruktion ist breiter. Dadurch hat man eine kleinere Glasfläche.
Wir möchten den "dicken" 4mm Stahl in Verbindung mit einer Gußauskleidung und eine möglichst große Glasfläche. Da der Preisunterschied nicht so hoch ist und es sich bei einer Kaminkassette doch um eine langfristige Investition handelt empfehlen wir die hochwertige Ausführung.


Guß- oder Vermiculitauskleidung?

Es gibt die Kaminkassetten mit Guß- oder in Vermiculitauskleidung.
Guß:
Es handelt sich um 10-15mm dicke Platten aus Stahlguß. Diese sind schwarz. Zur Vergrößerung der Wärmetauschfläche sind diese gerippt.
Vermiculit (englisch: vermiculite):
Es handelt sich hierbei um ein Mineral. Es kommt sogenanntes expandiertes Vermiculit zum Einsatz. Die Platten sind im Neuzustand sehr hell (gelb-beige) und sehr leicht. Es ist nicht mit Schamotte zu verwechseln!
Hier gibt es nun einige Unterschiede:
Brenntemperatur:
Feuer ist naturgemäß heiß. Hat man mit Guß ausgekleidete Wände, dann entziehen diese dem Feuer die Wärme, die dann an die Raumluft abgegeben wird. Sind die seitlichen Brennraumwände nun mit thermisch wesentlich besser isolierendem Vermiculit ausgekleidet, bleibt das Feuer heißer. Es findet eine heißere Verbrennung statt, die in der Regel sauberer ist. Dies ist für niedrigere Emissionswerte genau so vorteilhaft wie für sauberere Scheiben.
Farbe:
Vermiculit ist hell, Guß ist schwarz. Im Punkt "Brennraumtemperatur" wurde festgestellt, daß die Scheiben zwar sauberer bleiben, allerdings muß man auch beachten, daß verschmutzte Scheiben durch den hellen Hintergrund bei Vermiculit auch wesentlich stärker ins Auge fallen als bei dunklem Guß. Außerdem bleibt Vermiculit nur bei ausreichender Hitze hell. Bei großen Brennräume mit kleinem Feuern (z.B. in der Übergangszeit) kann es möglicherweise dunkle Ecken geben.
Mechanische Festigkeit:
Vermiculit ist, im Gegensatz zum Guß, nicht sehr stabil. Ein versehentlich zu fest dagegen fallender Holzscheit kann zum Bruch führen, weshalb Vermiculit meist auch von der Garantie ausgenommen ist.
Fazit:
Auch wenn höhere Brennraumtemperaturen zu einem besseren Wärmeaustausch an den Wärmetauschern im Deckenbereich führen, will es uns absolut nicht einleuchten, warum man die Wärmetauscher an den Seitenwänden mit expandiertem Vermiculit isolieren sollte. In Bezug auf die Emission gibt es auch mindestens zwei Hersteller, die diese auch mit Guß im Griff haben, auch wenn das schwieriger zu sein scheint. Zur Farbe: schwarz passt bei uns besser. Und mechanisch ist Guß die bessere Wahl. Deshalb haben wir uns für Guß entschieden.

Elektrische Ventilatoren:

Gelegentlich werden Kaminkassetten mit zusätzlichen elektrischen Ventilatoren angeboten. Diese haben aber zwei Nachteile, wesbalb diese für uns nicht in Frage kommen:
Bei Stromausfall fällt in der Regel auch die Zentralheizung aus. In diesem Fall ist man besonders auf die Kaminkassette angewiesen. Hat man nun eine mit elektrischen Ventilatoren, dann funktioniert diese leider nur noch eingeschränkt.
Die Bauhöhe der unteren Rippen vergrößert sich, dadurch sinkt die Höhe des Brennraums.

Griffe:

Eine Kaminkassette wird heiß. Deshalb braucht man Griffe, die möglichst kühl bleiben. Wir persönlich haben uns für den klassischen Spiralgriff entschieden. Da farbige (schwarze oder anthrazite) Griffe sich mit der Zeit abgreifen könnten, haben wir uns hier für Edelstahl entschieden. Alternativ kämen noch Hohlkammergriffe in Betracht. Von Vollmetall- oder Kunststoffbedienelementen möchten wir abraten.

Das wäre es nun mit unserer Kaminkassette gewesen. Leider gehören wir aber zu den wenigen, deren Kamin nicht direkt für eine Kaminkassette geeignet ist. Wir benötigen noch ein Edelstahlrohr. Warum das so ist, erfährt man in der nachfolgenden Fotostory.

Wir haben recht viele Firmen für eine Kaminsanierung angefragt. Viele zeigten jedoch kein Interesse. Zumindest im Kaminbau kann die Wirtschaftsflaute also nocht nicht angelangt sein. Unabhängig voneinander machten 2 Sanierungsfirmen folgenden Sanierungsvorschlag:

Etwas oberhalb der Feuerstelle wird an der Kamininnenwand eine Halterung montiert. Auf diese wird ein Rohr gestellt, daß unten auf dem Halter steht. Das Rohr geht bis ganz nach oben. Ziemlich unten am Rohr wird eine Revisionsöffung durch die Wand vorgesehen, die es erlaubt, nach dem Kehren den Schmutz entnehmen. Etwas überhalb der Revisionöffung wird ein T-Stück vorgesehen. Daran kommt ein äußerst enger 90°-Bogen nach unten. An diesem wird die Kaminkassette angeschlossen.

Größter Vorteil dieser Lösung ist, daß kein Regen in die Kassette fallen kann. Dafür ist sie teurer. Und aufwändig, denn zwangsläufig laufen in einem ca. 470x470mm großem Kamin unten zwei 200er-Rohre nebeneinander her, und das wird ganz schön eng.

Ein Unternehmer wollte diese Konstruktion entweder von oben herablassen, oder, wenn das nicht ginge, von unten einbauen. Der andere Unternehmer wollte hierfür den Kamin wegstemmen.

Der Kaminkassettenbauer hielt diese Möglichkeit aber für unnötig. Er favorisierte ein Rohr gerade von oben nach unten. Eine Revisionsöffnung hielt er für unnötig. Schließlich sei es einfacher, den Schmutz beim Kehren aus der Kassette als aus einer Revisionsöffung zu entnehmen. Deshalb wird das Edelstahlrohr nun mittig im Kamin gerade von oben nach unten vorgesehen. Der Kaminkassettenhersteller macht uns hierfür eine Sonderanfertigung für seine Kassette.

Ansonsten gibt es zu dem Edelstahlrohr noch folgendes zu sagen:
Revisionsöffnungen:
Im Spitzboden wird es eine Revisionsöffung geben, damit der Schornsteinfeger von dort aus kehren kann und nicht auf's Dach muß.

Wärmedämmschalen:
Wärmedämmschalen sorgen bei der Berechnung des Querschnittes für bessere Verhältnisse. Der Kaminbauer rät uns aber davon ab, weil Kosten und Verbesserung in keinem Verhältnis zueinander stünden.
Theoretisch kann es immer zu einem Kaminbrand im Edelstahlrohr kommen. Bei sehr engen Kaminen kann der gemauerte Kamin dabei wohl auch zu heiß werden, und alte Ablagerungen könnten sich entzünden. Dafür würde man in engen Kaminen Wärmedämmschalen vorsehen. Hier sieht der Kaminbauer kein Problem, da ein 200er-Rohr in einem 470x470mm großen Kamin noch rundum mindestens ca. 13cm Platz zur Wand hat.

Abstandshalter:
Abstandshalter halten das Rohr mittig im Kamin. Hier brauchen wir eine Übergröße.

Kugelfänger:
Fällt dem Schornsteinfeger seine Kehrkugel aus der Hand, fällt diese herunter. Nach Angaben des Kassettenherstellers ist das bei einer normalen Kassette kein Problem, da die oberen Prismenrohre aus 4mm-Stahl dem standhalten würden. Bei unserer Sonderanfertigung kann die Kugel aber in den Brennraum fallen. Der Boden, bestehend aus Gußschamott und Rüttelrost, wäre aber gefährdet.
Der Kassettenhersteller rät uns dennoch von einem Kugelfänger ab. Dieser würde verhindern, daß das Rohr bis ganz unten gefegt werden könnte. Er schlug vor, während des Kehrens ein dickes Holzbrett zum Schutz in die Kassette zu legen. Einen entsprechenden Hinweis werden wir an der oberen Revisionsöffung anbringen.

So, nun gibt es hierzu noch die passende Fotostory:

Link zu den Kaminfotos